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SEPA und Co. – aktuelle Entwicklungen im Zahlungsverkehr

Eingestellt von Jens Hoffstiepel am 11. Oktober 2017 09:03:00 MESZ

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Trends von Jens Hoffstiepel

Für Unternehmen der Immobilienwirtschaft ist eine effektive Abwicklung von Zahlungsvorgängen eine zentrale Anforderung an eine ERP-Software. Die regelmäßigen Buchungen müssen sicher, reibungslos und nachvollziehbar vollzogen werden. Um bei den Umstellungen im Zahlungsverkehr immer auf dem neuesten Stand zu sein, bedarf es daher regelmäßiger Anpassungen der Softwarelösungen. Eine solche Anpassung im Bereich des SEPA-Zahlungsverfahrens kommt auch in diesem Jahr wieder auf die Unternehmen zu. Zudem sorgen auch andere, neu auf den Markt drängende Zahlungsverfahren, wie beispielsweise Instant Payments sowie technische Entwicklungen für mögliche Veränderungen. In diesem Artikel möchten wir Ihnen einige aktuelle Trends im Zahlungsverkehr zeigen.

 

Instant Payments - Trend im Zahlungsverkehr

Einer dieser Trends ist beispielsweise das Thema Instant Payments. Darunter versteht man Zahlungen, die im Gegensatz zu einer klassischen Überweisung bereits nach wenigen Sekunden dem Empfängerkonto gutgeschrieben sind – und das jederzeit, also auch nachts und am Wochenende. Instant Payments besitzt das Potenzial, die Zahlungsverkehrslandschaft in den nächsten Jahren tiefgreifend zu verändern.

Die Einführung von SEPA, dem einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum, hatte sowohl für Unternehmen als auch für Privatpersonen zahlreiche Anpassungen im Zahlungsverkehr zur Folge. Als logisches Nachfolgeprojekt von SEPA hat die Europäische Zentralbank beschlossen, Instant Payments zu etablieren. Wann genau und wie das geschieht ist jedoch noch abzuwarten.

Kooperationen zwischen Banken und FinTechs

In der heutigen Zeit stellt sich die Frage, ob etablierte Banken und moderne FinTechs (StartUp Finanztechnologie-Unternehmen) zusammenarbeiten sollen, nicht mehr. Es wird zum Muss. Aber wie die beiden Seiten es schaffen können, sich durch ihre jeweiligen Stärken zu ergänzen, wird sich noch zeigen - denn die neuen Dienstleistungen, die FinTechs anbieten, sowie die Stabilität der etablierten Banken sind sowohl für die Finanzbranche als auch die Kunden von Bedeutung.

Die Integration von FinTechs in etablierte Banksysteme gewinnt mit den europäischen Entscheidungen und Zahlungsrichtlinien, zunehmend an Bedeutung. Ein konkretes Beispiel ist die Abkürzung API (Application Programming Interface), die für eine (Anwendungs-)Programmierschnittstelle, steht. Eine Schnittstelle, die die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Softwaresystemen ermöglicht. FinTech-Startups können sich so in Verwaltungssoftware für Immobilien oder in Banken-APIs integrieren lassen, um den Konsumenten neue Online-Banking-Dienste anzubieten.

Mehr Sicherheit und Definition der Rollen von Zahlungsanbietern

Mit der PSD2-Richtlinie (Payment Service Directive) will die EU den Wettbewerb im europäischen Zahlungsverkehr fördern - und ihn sicherer, bequemer und billiger machen. Die Richtlinien ermöglichen, dass neue Anbieter und Drittanbieter in den Zahlungsmarkt eintreten. Die PSD2 bricht das lukrative Monopol der Banken beim Zugriff auf Kontodaten. Künftig müssen Geldhäuser nach dem Willen der EU auch Drittanbietern, wie den Fintechs, den Zugriff auf Konten und Daten ihrer Kunden ermöglichen.  Wer weiß, wie viel Geld Privatkunden haben und für was sie es ausgeben, kann ihnen so leicht weitere Dienste anbieten - etwa Baufinanzierungen, passende Wohnungen, Kredite oder Versicherungen. Anfang 2018 soll sie in Deutschland in nationales Recht umgesetzt werden, das Bundeskabinett hat grünes Licht gegeben.

Neue Teilnehmer werden unter dem Begriff “Account Information Service Providers” (AISP) rechtlich anerkannt und positionieren sich zwischen etablierten Banken und Verbrauchern. Durch den Zugang zu Zahlungsdaten der Kunden bekommen Sie die Chance, neue digitale Dienstleistungen anzubieten. Hinzu kommen auch die Payment Initiation Services Providers (PISP), diese Drittparteien können Zahlungen im Auftrag des Kunden für einen Händler ausführen.

Ziel der Richtlinie ist, die Innovationskraft stets zu steigern und zeitgleich einen hohen Sicherheitsstandard durch zuverlässige Authentifizierung zu gewährleisten.

SEPA - neues DFÜ-Abkommen zum 19. November 2017

Das SEPA-Verfahren (Single Euro Payments Area) hat in den letzten Jahren einige Umstellungen mit sich gebracht, um eine Vereinheitlichung der bargeldlosen Zahlung innerhalb der EU-Staaten zu erreichen. Auch in diesem Jahr wird es wieder eine Anpassung des SEPA-Verfahrens geben.

Zum 19. November 2017 tritt innerhalb der deutschen Kreditwirtschaft wieder ein neues DFÜ-Abkommen (Abkommen über die Datenfernübertragung zwischen Kunden und Kreditinstituten) in der Version 3.1 in Kraft. Damit werden einige kleine Änderungen beim SEPA-Zahlungsverkehr umgesetzt. Die Kreditinstitute stellen inzwischen auch die Bereitstellung der elektronischen Kontoauszüge an immobilienwirtschaftliche Unternehmen auf ein neues Format um.

Über diese Neuerungen und welche weiteren Veränderungen des SEPA-Verfahrens in der Zukunft noch auf Unternehmen zukommen könnten, haben wir mit Dr. Thomas Baumann gesprochen. Er ist seit 2012 mit seinem Unternehmen ZVEXPERT als Berater für Zahlungsverkehr-Projekte und die Optimierung der Kunde-Bank-Schnittstelle bundesweit tätig. Im Zuge der SEPA-Umstellung unterstützte er u.a. verschiedene Kreditinstitute sowie Unternehmen. Einer seiner aktuellen Tätigkeitsschwerpunkte umfasst die Begleitung von Digitalisierungsprojekten u. a. bei Immobilienunternehmen und die Beratung von Softwarehäusern bei der Schnittstellenprogrammierung.

Crem Solutions: Herr Dr. Baumann, wenngleich seit 2014 noch einige Änderungen in den SEPA-Zahlungsverkehrsformaten vorgenommen wurden, so kann die SEPA-Einführung als abgeschlossen gelten. Was kommt jetzt noch Neues auf uns zu?

Dr. Thomas Baumann: In der Tat gab es in den vergangenen Jahren nur noch kleine Änderungen in den SEPA-Formaten für Überweisungen oder Lastschriften: in der Regel Vereinfachungen und Erleichterungen, wie z.B. die Umstellung der CORE-Lastschrift auf einen Tag Vorlaufzeit oder den Wegfall des BICs für nahezu alle SEPA-Länder. Voraussetzung ist natürlich immer, dass die Unternehmen aktuelle Programmupdates einsetzen. Auch die diesjährigen Änderungen bringen einige Veränderungen vorwiegend in technischen Details, die allerdings umgesetzt werden müssen, da einige Banken sonst die Ausführung der Zahlungen ablehnen können. In iX-Haus sind alle Anforderungen bereits realisiert.

Ich habe den Eindruck, dass viele Unternehmen jetzt etwas Freiraum gewonnen haben, und Ihre internen Prozesse, z.B. bei der maschinellen Verbuchung von Zahlungen, optimieren möchten. Das unterstützen die Banken durch das neue Format für den elektronischen Kontoauszug „camt“.

Crem Solutions: Was ist daran neu?

Dr. Thomas Baumann: Das camt-Format ersetzt den bisherigen elektronischen Kontoauszug MT940 und ist die logische Konsequenz aus der SEPA-Einführung. Im camt.053 werden alle Datenfelder aus den gebuchten Umsätzen mit den gleichen Feldbezeichnungen geliefert wie sie im SEPA-Zahlungsauftrag vorkommen. Auch deshalb stellen die Banken schrittweise auf das neue Format um.

Crem Solutions: Ist schon ein Zeitpunkt absehbar, bis zu dem die Umstellung abgeschlossen sein muss?

Dr. Thomas Baumann: Die deutsche Kreditwirtschaft hat bisher noch keinen verbindlichen Termin genannt. Ich rechne mit einem gleitenden Übergang, wobei aber erste Banken für Neukunden bereits ausschließlich die camt-Formate anbieten.

Crem Solutions: Welche Vorteile für Immobilienunternehmen bietet der Umstieg auf das camt-Format?

Dr. Thomas Baumann: Da die Feldbezeichnungen identisch mit denen der SEPA-Zahlungsaufträge sind, steigt die Trefferquote bei der maschinellen Zahlungszuordnung in der Regel an. Nacharbeiten bei der Verbuchung von Zahlungseingängen oder Lastschrift-Retouren werden weniger. Auch die Angabe von Rückläufer-Gründen, den sogenannten Return-Codes, ist im camt deutlich detaillierter darstellbar. Dazu kommt, dass es mit dem Format camt.054 jetzt auch möglich ist, vorgesammelte Umsatzdaten in gleicher Weise wie einzeln gebuchte Umsätze zu verarbeiten. Dabei sammelt die Bank z.B. Überweisungseingänge oder Lastschriftretouren pro Tag und Konto und bucht auf dem Kontoauszug nur die Summe. Die Einzelumsätze kommen dann über die camt.054-Datei auf elektronischem Weg und werden in iX-Haus verbucht.

Crem Solutions: Warum empfehlen Sie Immobilienunternehmen die Umsatzsammlung?

Dr. Thomas Baumann: Sammelt die Bank z.B. Zahlungseingänge und bucht sie in einer Summe, werden die Kontoauszüge gerade am Anfang des Monats, wenn z.B. gehäuft Mietzahlungen eingehen, deutlich kürzer. Und ggf. reduzieren sich dabei auch die Bankgebühren.

Crem Solutions: Nach wie vor gibt es Laufzeiten bei Zahlungen und Immobilienunternehmen müssen den Buchungsschnitt ihrer jeweiligen Banken beachten. Wird sich denn daran in Zukunft etwas ändern?

Dr. Thomas Baumann: Die mit der SEPA-Einführung vorgegebene Laufzeit von einem Tag bei elektronisch beauftragten Zahlungen war ja schon ein Fortschritt. Seither haben die meisten Banken den Buchungsschnitt auch noch weiter nach hinten verlagert. Außer mit der SEPA-Eilzahlung lässt sich aber bis auf Buchungen innerhalb eines Kreditinstituts bzw. einer Kreditinstitutsgruppe noch immer keine gleichtägige Gutschrift beim Empfänger erreichen.

Die Aussicht, das zu ändern, bietet jetzt die Initiative „Instant Payments“, die auf europäischer Ebene läuft. Geplant ist darin die Einführung einer „Echtzeit-Überweisung“, die an 365 Tagen 24 Stunden verfügbar sein soll und bei der der erfolgreiche Transfer bis zum Zahlungsempfänger innerhalb von maximal 20 Sekunden erfolgt und auch gegenbestätigt wird. Allerdings ist dazu noch eine Reihe von Problemen zu lösen, bedingt vor allem durch die begrenzten Möglichkeiten der vorhandenen Infrastruktur und die regulatorischen und Compliance-Anforderungen. Ich rechne nicht vor Ende 2018 mit einer bankenübergreifenden schrittweisen Verfügbarkeit, und auch dann wird der maximale Zahlbetrag vorerst auf 15.000 Euro begrenzt bleiben.

Innovativ bleiben und die Zukunft sichern

Wie Sie sehen erwarten uns in der Zukunft einige Veränderungen, die sowohl unsere eigene persönliche Zahlweise, als auch den Zahlungsverkehr von Unternehmen und Ihren Kunden betreffen. Einige davon sind konkret geplant, andere könnten Zukunftsmusik sein, die sich nicht sicher auf dem Markt durchsetzen - größtenteils dienen solche Veränderungen den Vereinfachungen von Abläufen. Darunter befinden sich aber auch neue technische Entwicklungen, die es erfordern, dass sowohl Softwareentwickler als auch Unternehmen innovativ belieben und aktiv daran arbeiten, Ihre Leistungen den neuen Technologien anzupassen. Nur so bewahren sich alle Marktteilnehmer ihr erfolgreiches Bestehen und können perspektivisch und sicher in die Zukunft schauen.


Dr.-Ing. Thomas Baumann

Dr. Thomas Baumann verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung auf den Gebieten Zahlungsverkehr, Transaction Banking,  Softwareprojektierung und -entwicklung, Financial IT, Servicecenter-Prozesse und Optimierung der Kunde-Bank-Schnittstellen. Nach langjähriger Tätigkeit im Firmenkundengeschäft der Dresdner Bank AG und Commerzbank AG gründete er 2012 in Dresden sein Beratungsunternehmen ZVEXPERT.

ZVEXPERT berät objektiv und unabhängig. Die von außen kommende Erfahrung wagt den Perspektivwechsel.  Analytische Kompetenz bei der Lösung von Projektaufgaben im Zusammenhang mit Zahlungsverkehrs- und Transaction Banking-Prozessen zeichnet ZVEXPERT aus.

Aktuell bilden z.B. die Verbesserung der Abläufe bei der Zahlungszuordnung in Unternehmen  die Umstellung auf camt-Formate, die Einführung virtueller Konten bzw. die Vermittlung von Fachwissen zu den genannten Bereichen seine Schwerpunkte. Zu den genannten Themen führt er auch Workshops für Unternehmen und Banken durch. Mehr Informationen finden Sie unter www.zvexpert.de.

Kontakt:

ZVEXPERT
Dr. Thomas Baumann
Ratsfeld 2
D-01187 Dresden
Tel.: +49 (0) 351 411 3782
Mobil: +49 (0) 1520 987 9348
dr.baumann@zvexpert.de


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