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Disruption und Innovation in der Immobilienwirtschaft

Eingestellt von Jens Hoffstiepel am 25. Oktober 2017 11:14:38 MESZ

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Digitales & Technologie von Jens Hoffstiepel

Die Immobilienwirtschaft befindet sich mitten in einem Umbruch. Viele bestehende Geschäftsmodelle der Branche könnten durch stark bzw. schnell wachsende Innovationen, gerade im Bereich der Digitalisierung, abgelöst beziehungsweise „zerschlagen“ werden - diesen Prozess nennt man Disruption. Der Begriff „Disruption“ leitet sich von dem englischen Wort „disrupt“ („zerstören“, „unterbrechen“) ab und beschreibt einen Vorgang, der vor allem mit dem Umbruch der Digitalwirtschaft in Zusammenhang gebracht wird. Auch in der Immobilienwirtschaft werden bestehende, traditionelle Geschäftsmodelle, Produkte, Technologien oder Dienstleistungen von innovativen Erneuerungen abgelöst und teilweise vollständig verdrängt. Was bedeutet das für die Branche?

Innovation vs. Disruption

Der Unterschied zwischen einer normalen Innovation, wie sie in allen Branchen vorkommen kann, und der Disruption liegt in der Art und Weise der Veränderung. Während es sich bei einer Innovation um eine Erneuerung handelt, die den Markt nicht grundlegend verändert, sondern lediglich weiterentwickelt, bezeichnet die Disruption eine komplette Umstrukturierung beziehungsweise Zerschlagung des bestehenden Modells. Ein Beispiel für eine Disruption ist der Umschwung von analogen Musikträgern, wie CD und LP mit den dazugehörigen Abspielgeräten auf die digitalen Musikplattformen, wie z.B. iTunes. Die altgedienten analogen Abspielgeräte und Tonträger sind heute größtenteils schon durch die digitale Technologie abgelöst.

An diesem Beispiel ist gut zu erkennen, dass die Disruption in der heutigen Zeit sehr eng mit der Digitalisierung zusammenhängt. Inwiefern digitale Prozesse aber disruptive Auswirkungen auf bestimmte Bereiche in der Immobilienwirtschaft haben werden, ist momentan erst sehr vage zu erkennen. Fest steht aber, dass es unaufhaltsame Veränderungen geben wird - die Immobilienwirtschaft wird sich auf anhaltende Strukturveränderungen vorbereiten müssen. Die Branche befindet sich noch immer auf einer relativ frühen Stufe der Digitalisierung - in den nächsten Jahren aber werden zahlreiche Innovationen die Branche verändern.

Neue Technologien und Innovationen kommen in immer kürzeren Abständen auf den Markt

Ein Anzeichen dafür ist, dass die Informations- und Telekommunikationstechnik (ITK) rapide gewachsen ist und sich derart schnell weiterentwickelt hat, dass neu entwickelte Technologien und Innovationen heute in immer kürzeren Abständen auf den Markt gelangen. Die immer kleiner werdende kabellose Elektronik, die Verfügbarkeit immer leistungsstärkerer Hardware und der stetig steigende Einsatz selbstlernender Algorithmen sind einige Beispiele des schnellen Fortschritts. Diese Innovationen werden zukünftig auch in der Immobilienwirtschaft ihren Einsatz finden - sie steht vor einer digitalen Disruption, die sich auf all ihre Bereiche auswirken wird. Diese sorgen voraussichtlich dafür, dass der Arbeitsalltag in vielen Situationen erleichtert wird, indem viele Prozesse automatisiert stattfinden können. An solchen Technologien werden wirtschaftlich denkende Unternehmen nicht vorbeikommen.

Beispiele für mögliche disruptive Technologien

So sind beispielsweise Chatbots in einigen Unternehmen schon heute in den Arbeitsalltag integriert und vereinfachen die Arbeit von Service-Mitarbeitern. Anfragen über ein digitales Kundenportal werden hier mithilfe eines Algorithmus gelesen, analysiert und anhand bestimmter Schlüsselworte automatisch von dem System beantwortet. In manchen Fällen werden solche Algorithmen die Menschen möglicherweise ersetzen, in vielen Fällen dienen sie jedoch der Unterstützung und werden Menschen entlasten oder leistungsfähiger machen. So verschwimmen teilweise die Grenzen zwischen Disruption und Innovation.

Die digitalen Systeme unterstützen aber auch dabei, den gesamten Lebenszyklus einer Immobilien zu planen und abzubilden und das Leben der Bewohner zu vereinfachen. So sorgen beispielsweise digitale Standortanalysen, digitale Hausbesichtigungen, der digitalisierte Hausbau, digitale Gebäudeinfrastruktur, die digitale Hausverwaltung oder Smart Homes und ganze Smart Citys für Disruptionen und Innovationen in der Branche.

Digitale Planung, digitale Besichtigung und digitaler Bau

Bei der Suche nach dem richtigen Standort für eine Immobilie, gerade für den gewerblichen Bereich, können digitale Systeme heute unterstützen, indem sie Informationen, wie Infrastruktur, Konkurrenz und Zulieferunternehmen, Einzugsbereiche, Wetterdaten sowie demografische und soziale Faktoren der umliegenden Bevölkerung zusammentragen und auswerten. Auf diese Weise kann ein optimaler Standort für Immobilien gefunden werden. Mithilfe digitaler dreidimensionaler Modelle erstellt mit BIM-Systemen (Building Information Modeling), und Augmented Reality können Bauherren sogar im Vorhinein schon sehen, wie die Immobilie an dem gewählten Standort aussehen wird und gleichzeitig eine virtuelle Hausbesichtigung machen. Mithilfe von Virtual Reality Brillen können Kunden die Immobilie in allen Details anschauen und sich virtuell durch die Räume bewegen. Dies funktioniert sowohl bei digitalen, dreidimensionalen Modellen als auch bei gescannten Bestandsimmobilien. Hierzu fliegen kleine Drohnen durch die Immobilie und scannen jeden Winkel. Sind die Kunden zufrieden, kann danach selbst der Hausbau digitalisiert ablaufen - die ersten Häuser aus riesigen 3-D-Druckern wurden schon erstellt. Die neuen Technologien haben hier beispielsweise das Potenzial, manche Arbeitsbereiche der Architektur und der Baubranche abzulösen.

Smartes Leben und smartes Arbeiten

Digital ausgestattet mit technischen Geräten, verknüpft mit dem Internet of Things (IoT), wie Kühlschrank, Heizung, Rollläden und Lampen oder intelligenter Verglasung machen die Besitzer ihr Zuhause zukünftig zum Smart Home. Die Bewohner werden ihr Zuhause mit ihren Smartphones steuern und überwachen können.

Das Ganze lässt sich auch auf die Gebäudestruktur großer Mietimmobilien und sogar ganzer Städte ausweiten. Hier betrifft die digitale Verknüpfung etwa Fahrstühle, Fenster, Türen, Heizungen, Beleuchtung, Belüftung und Brandschutz. Das Ganze geht so weit, dass der Facility Manager keine Kontrollrunden mehr drehen muss. Das smarte Haus überwacht sich selbst, mithilfe von predictive Maintenance. Sämtliche Daten werden an einen Verantwortlichen oder eine Zentrale geschickt und verarbeitet. Bei Bedarf werden automatisch Dienstleister engagiert, um Reinigungsarbeiten vorzunehmen oder Störungen zu beheben. Die vorausschauende Wartung sorgt dafür, dass Instandhaltungskosten erheblich reduziert werden können. Häusern oder Smart Citys werden so zu einem vernetzten System mit ständigem Datenaustausch, wobei alle Bereiche optimal aufeinander abgestimmt werden. Sind solche Immobilien selbst einmal Teil des Internet of Things und tauschen untereinander Daten aus, können beispielsweise Autofahrer eine Meldung erhalten, wo noch freie Parkplätze sind.

Big Data als neues Geschäftsfeld

Gleichzeitig sorgen große Datensammlungen in der Immobilienwirtschaft für ganz neue Möglichkeiten. Gerade diese Branche generiert Datensätze mit sehr vielen verwertbaren Informationen, die mit neuen technischen Möglichkeiten sehr schnell verarbeitet werden können. Es lassen sich massenweise marktrelevante Daten, eben Big Data, gewinnen und auswerten. In der heutigen Zeit ein wertvolles Gut - denkbar ist ein ganz neues Geschäftsfeld. Die Riesen Google und Facebook, bieten ihre Leistungen nur deshalb kostenfrei an, weil die Nutzer im Gegenzug ihre Daten zur Verfügung stellen. Die Immobilienwirtschaft verfügt bereits jetzt über zahlreiche Daten, derer sie sich nur (noch) nicht bewusst ist. Effizientes Datenmanagement bietet die Chance, neue Geschäftsfelder zu erschließen - eine Bezahlung künftig nicht nur in Geld, sondern zum Beispiel in Daten.

Neue Tätigkeitsprofile für Mitarbeiter und Kooperationen

Die Unternehmen der Immobilienwirtschaft werden in der Zukunft daher neue Tätigkeitsprofile für Mitarbeiter benötigen: Mehr Datenmanager, mehr Softwareexperten, mehr Datenanalysten, mehr Ingenieure, mehr Innovationsmanager. Denn die Bereitschaft von Unternehmen, neue Technologien sowie innovative Arbeitsprozesse als Wettbewerbsstrategie einzusetzen, wird dabei zunehmend wichtiger. Sich als Early Adopter (englisch für frühzeitiger Anwender) mit einer Neuerung auf den Markt zu etablieren, schafft Wettbewerbsvorteile. Dabei können Kooperationen über Unternehmens- oder Branchengrenzen hinaus helfen - im Bereich der Software für die Immobilienverwaltung bietet Crem Solutions beispielsweise die Möglichkeit, individuelle Anforderungen von Unternehmen gemeinsam zu planen, zu entwickeln und in der Software umzusetzen. Das Kooperationsunternehmen kann diese Neuentwicklung dann exklusiv nutzen, bevor sie für andere Unternehmen in der Software verfügbar wird.

Mögliche Vor- und Nachteile der Disruption

Als Nachteil der Disruption, gerade im Umgang mit Daten ist die Gefahr der Überwachungsmöglichkeiten anzusprechen - strenge Datenschutzrichtlinien werden hier unerlässlich sein. Zudem wird das Wegfallen von Arbeitsplätzen durch den Einsatz oben genannter technischer Lösungen als Problem dargestellt.

Die Disruption bringt aber auch zahlreiche Vorteile mit sich. Mieter und Kunden werden von einer höheren Service- und Wohnqualität profitieren - hier werden sich personalisierte, individuelle und flexible Lösungen entwickeln lassen. Dazu zählen beispielsweise alters- und behindertengerechte Assistenzsysteme.

Innovationen wie 3D-Druck, Predictive Maintenance oder Warnsysteme versprechen großes Einsparpotenzial für Immobilienverwalter und Immobilienbesitzer. Folglich können Mieter von günstigeren Mietpreisen und geringeren Nebenkosten profitieren. Auch entfallen Termine für die Ablesung der Verbrauchswerte von Heizung, Strom und Wasser. Diese Daten werden mithilfe der IoT-fähigen Geräte automatisch übertragen und analysiert.

Diese Entwicklungen für die Immobilienwirtschaft sind teilweise heute schon im Einsatz, veranlassen aber kein abruptes Handeln über Nacht. Unternehmen haben (noch) Zeit für Anpassungsstrategien, sollten aber zeitnah über das Thema Digitalisierung ihrer Arbeitsprozesse nachdenken und zukunftsorientierte Entscheidungen treffen, um weiterhin erfolgreich auf dem Markt bestehen zu können. Denn dass die Immobilienwirtschaft in den nächsten Jahren von Big Data, Predictive Maintenace, Machine Learning, Internet of Things und Cloud Services revolutioniert wird, steht außer Frage.

Topics: Digitales & Technologie


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